  Als Antwort auf zunehmende gesellschaftliche Umwälzungen in sozial- und wirtschaftspolitischer wie auch kulturpolitischer Hinsicht, kam es ab Mitte des 19. Jahrhunderts zu den ersten Vereinsgründungen. Die Gründung von Vereinen ist -heute wie damals- als Indikator für gesellschaftliche Veränderungsprozesse zu sehen.
Welchen Stellenwert haben Vereine in unserem Gesellschaftssystem? Dieser Frage ist man im Zuge der vom Land Steiermark in Auftrag gegebenen Studie zum Thema Vereine Non- Profitorganisationen zur Jahrtausendwende nachgegangen, wobei sich folgende Tendenz zeigte: "Vereine sind die wichtigsten Kulturträger, sie sind Nährboden lokaler Identität, ein unentbehrliches "Medium der Identifikation" der Bewohner im Ort.
Parallel zu den traditionellen Gesangsvereinen, Heimatvereinen und Museumsvereinen, gibt es eine Reihe von kulturellen Initiativen. Folgende Kultursparten sind in diesem Zusammenhang zu nennen: Musik: (Jazz, Folk, neu interpretierte Volksmusik, wie sie beispielsweise von der Musikgruppe "Folksmilch" praktiziert wird), Theater (freie Theatergruppen, Pantomime, Kinder- und Jugendtheater, Puppentheater,..) Kabarett, Literaturlesungen, Ausstellungen (Foto, Kunst, Geschichte), Vorträge, Workshops, Informationen Schreibwerkstätten und Diskussionen zu verschiedenen kulturellen und politischen Themen. Dieser Bereich ist unter dem Begriff Weitervermittlung von Kulturangeboten zu subsumieren. Parallel dazu gibt es eine Reihe von soziokulturellen Initiativen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, selbst Kultur zu produzieren, wie beispielsweise das Theater im Kürbis in Wies (um eines von vielen Beispielen stellvertretend zu nennen). Dieses breite Spektrum macht deutlich, daß kulturelle Initiativen wichtige Funktionen haben, die zum Großteil weder von öffentlichen noch privatwirtschaftlich organisierten Einrichtungen abgedeckt werden können. Diese Untersuchung zur Jahrtausendwende zeigte: wie umfangreich das Potential an Kultur und Kulturbedürfnissen im urbanen wie ländlichem Raum ist, wie vielfältig es sich darstellt - und wie groß hier die Herausforderung für Vereine ist. An traditionellen Beispielen wie: Museumsvereine, Gesangs-und Heimatvereine wird die gegenwärtige Problematik im einzelnen transparent. Entscheidend für die Zukunft der Gesangsvereine wird beispielsweise sein, die Diskrepanz, die (lt. Tiefeninterviews) zwischen dem Selbstbild der Vereine und ihrer gesellschaftlichen Einschätzung besteht zu überwinden. Es zeigte sich, dass das Singen als spontane Lebensäußerung von großen Teilen der Bevölkerung bejaht wird, ebenso die professionelle Form des Singens in der Oper oder leistungsorientiertes Singen, welches wieder größeren Zulauf findet z.B. in Schulchören. Als Fazit ergibt sich der Befund von einem nicht nur positiv besetzten Image: Der Begriff des Gesangsvereines ist im Bewußtsein der Bevölkerung vorbelastet. Singen als Lebensäußerung wird eindeutig positiv, Singen als Vereinstätigkeit wird dagegen vielfach als negativ bewertet, wobei es hier weniger um eine Qualitätsdiskussion geht, sondern um die Rahmenbedingungen. Das Vereinsleben wird vielfach als konservativ, als wein- und bierselig angesehen. Anders formuliert: Es sind eindeutig vielfach die Geselligkeitsformen, die abgelehnt werden. Aus der Sicht der Vereinsmitglieder liegt die Schuld bei äußeren Faktoren: "die Gesellschaft" und ihr moralisch-künstlerischer Verfall, ferner die neuen Medien und der Schulunterricht um nur einige zu nennen.
In den Interviews zum Thema Gesangsvereine stehen die eingefahrenen Rituale des Vereinslebens noch im Mittelpunkt. Aus der Brauchforschung ist bekannt, daß Brauch-Inhalte sich schneller wandeln als die äußeren Brauch-Formen, die Rituale und Brauchhülsen. Das trifft auf das Thema Gesangsvereine zu. Selbst wenn die Vereinsinhalte sich geändert haben: Solange die äußeren Formen, die traditionellen sind, wird sich an der Akzeptanz, der gesellschaftlichen Einschätzung dieser Vereine nur wenig ändern. Die Behauptung, den Vereinen fehle es an Nachwuchs, ist jedoch keinesfalls generell auf die Kategorie Kulturvereine anzuwenden. In größeren Gemeinden geht der Trend in Richtung Freizeitvereine. Die in diesen Orten entstandene "neue Mittelschicht", hat neue Bedürfnisse entwickelt, die in den traditionellen Vereinen (Gesangsvereine, Heimatvereine, Museumsvereine....) nur mehr partiell befriedigt werden können. Die "fit for fun-Generation" sieht Freizeit als Ausgleich zu einer im Sitzen ausgeübten Arbeit. Das Engagement in einem Verein hat mehr unverbindlichen Charakter, da Freizeit als etwas Kostbares und Seltenes angesehen wird. Zudem hat sich das gesellschaftliche Verhalten geändert, man läßt sich sozial nicht so gerne kontrollieren und kümmert sich weniger darum was die Nachbarn denken.
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